09
Jul

Abmahngehabe selbst in Nischen

Dass man keine Bilder klauen darf, wissen wir inzwischen alle, seitdem eine Hobbyköchin und ein Hobbyknipser sich quasi ein Eigenheim mit den abgemahnten Lizenzgebühren für Ihre leckeren Bilderchen verdient haben (das ist meine bescheidene, ganz subjektive Meinung und ja, auch ich durft ein Steinchen sponsorn und ja, sie sind im Recht). Es berichten c´t, basicthinking, ARD Magazin Plusminus, weltonline und so weiter und so fort. Wer sich Zeit nimmt, kann gut und gerne einen ganzen Arbeit mit Recherchen zum Thema verbringen. Und ansonsten stehe ich auch gerne zur Verfügung…

Dass man auch keine Youtube-Videos von ohne Erlaubnis aufgezeichneten TV-Sendungen veröffentlichen und in seine Seite einbinden darf, haben wir gestern gelernt.

Aber das treibt jetzt eigentlich den Abmahnwahn auf die Spitze..oder vielmehr in die Spitze - nämlich die Spitze des Longtails. Dahin, wo sich kaum jemand verirrt.Denn ich vermute mal, dass es trotz mittlerweil geschätzt 30.000 Islandpferden in Deutschland nur relativ wenig Leute gibt, die sich mit Datenbankrecherchen rund um die Zottelponies beschäftigen.

Aber die Isländer nehmen das Statussymbol ihre Nationalstolzes eben sehr wichtig.

Und so war es ihnen auch ein Dorn im Auge, dass sich neben der sorgfältig von zentraler Stelle und unter nationaler Kontrolle (nähmlich der des isländischen Bauernverbandes) gepflegten Datenbank von isländischen Pferden, dem “Worldfengur”, unter dem Namen Stormhestar in Deutschland eine alternative Datenbank entwickelte.

In beiden Datenbanken findet man zu einzelnen Pferden die Abstammung, Stammdaten wie Farbe und Besitzer sowie Ergebnisse in Sportprüfungen.

Trotzdem gibt es augenfällige Unterschiede zwischen beiden Datenbanken.

Beim Worldfengur muss man entweder für Zugriffe auf die Datenbank zahlen oder aber Mitglied in einem Zuchtverband sein. Für den Eitnrag eines Pferdes in die Datenbank muss ebenfalls gezahlt werden. Außerdem werden Eitnträge nur von zentraler Stelle vorgenommen, die auch die Datenqualität sichert.

Bei Stormhestar kann sich jeder Hans und Franz anmelden und beliebig Pferde eintragen…woher die Daten dazu kommen, weiß niemand. Ebenso ist nie ganz sicher, ob alles stimmt, was da steht. Und woher die Daten kommen.

Da ereignete es sich, dass wohl Hans oder Franz mal eben Daten aus Worldfengur in Stormhestar eingetragen haben. Jetzt mag die Dramatik dieses Aktes für den durchschnittlichen, nicht-isländischen und nicht in der ökologischen Nische der Islandpferdereiterei heimischen Leser nicht ganz ersichtlich sein. Aber der isländische Bauernverband war sich ihrer (nämlich der Dramatik) sehr bewußt. Und schickte einen Anwalt aus dem kalten Island, um den Betreiber von Stormhestar abzumahnen, weil dieser angeblich ein Datenbankwerk ohne Zustimmung des Urhebers verwende.

Nun ist es nicht so, dass hier einfach ein Datenbankinhalt extrahiert und an anderer Stelle eingepflegt wurde. Nein. In einer ersten Auseinandersetzung ging es um 50 Pferde…naja, und auch jetzt geht es um Einzelfälle. Die zu benennen sei aber zu aufwendig, meint der isländische Bauernverband, und mahnt lieber vollständig ab.

Wer mehr dazu lesen möchte, findet bei Taktklar ein spannendes Interview.

Für mich irgendwie schon fast ein “Fundstück der Woche”