Ich habe gerade eine E-Mail mit folgendem Betreff bekommen:
FORMBLITZ NEWSLETTER Nr. 003 07/2008 - Schöner sterben mit Kusch
Das hat mich jetzt doch etwas irritiert…wer wünscht mir den Tod an den Hals? Ob ich jetzt schöner sterben soll oder nicht ist mir schnuppe. Und ob mit oder ohne Kusch (wer oder was ist Kusch?) ist mir auch egal…Hängen bleibt nur: Ich soll sterben!
Der zweite Blick enthüllt den Absender: FORMBLITZ! Also die wünschen mir ein schöneres Sterben…Moment…Formblitz war doch gar kein Altersheim, Hospiz oder Beerdigungsinstitut, sondern eine kostnpflichtiges Downloadportal für Formularvorlagen. Dunkel (passend zum nahenden Tod!) erinnere ich mich, dass ich da mal ein Formular herunter geladen habe…war auch toll. Und sein Geld wert. Aber warum soll ich jetzt sterben?
Gut, also dann schauen wir uns doch den Newsletter, den die böse Schlagzeile einleitet, mal genauer an…da finde ich dann folgenden Text (Zitat):
Wenn es nach Roger Kusch geht, dann ist Sterbehilfe so selbstverständlich wie die wöchentliche Müllabfuhr: Bettina S., deren Tod Kusch aufzeichnete, hatte keine besonderen Probleme. Sie war weder sterbenskrank, noch litt sie unter schweren Depressionen. Sie wollte einfach nur nicht ins Altersheim. Dank Kusch wird der Tod auf Bestellung zum Lifestyle-Artikel einer zivilisationsmüden Gesellschaft, die schon dann nach dem begleiteten Suizid ruft, wenn der Enkel mal wieder den Geburtstag vergessen hat. War der Selbstmord früher ein Akt der Wahl nach individueller Qual, so verlangt der Lebensmüde heute nach den Bequemlichkeiten der Dienstleistungsgesellschaft. Schöner Sterben mit “Dr. Freitod”. Happy Hour in der Todes-Zone mit einem Cocktail aus Chloroquin und Diazepam. All credit cards accepted!
Ui. Das ist nun aber harte Tobak. Moment, war der Absender nicht ein Portal zum Download von Formularen?!? Bieten die jetzt auch Giftcocktails an??? Oder was wollen die mir damit sagen?
Es folgt einiger überleitender Blbabla zum Thema Sterbehilfe…
Und dann:
Wenn Sie jetzt schon eine Verfügung für den Fall treffen wollen, dass Sie selbst nicht mehr entscheiden können, dann sollten Sie eine Patientenverfügung von FORMBLITZ herunterladen.
Es folgt der Link zum kostenpflichtigen Download des Formulars (6,90 EUR als PDF, 7,90 EUR als Word Dokument, 8,40 EUR als Fax) und acht weitere Links zu anderen kostenpflichtigen Downloads (”Andere Personen, die sterben woll
ten, haben auch folgende Formulare heruntergeladen
).
Das nennt man wohl Marketing mit der Holzhammer-Methode. Ein wenig an den Grenzen des guten Geschmacks, die mich ja eigentlich wenig interessieren. Aber in diesem Fall…