Sterben für jedermann?
Wie angekündigt ist jetzt das Buch “Wege zu einem humanen, selbstbestimmten Sterben” der Stiftung WOZZ (Wettenschappelijk Onderzoek naar Zorgfuldige Zefldoding) in deutscher Sprache erschienen.
Dieses Buch ist äußerst umstritten. Stellt es doch dar, welches die sichersten und damit “besten” Methoden zur Selbsttötung sind und schreckt dabei auch nicht davor zurück, Namen und Dosierungen tödlicher Medikamente zu nennen. Darüber hinaus warnt das Buch aber auch vor “unsicheren” Methoden, bei deren Mißlingen zum Beispiel mit schweren Hirnschädigungen zu rechnen ist.
Die Anleitungen in diesem Buch sind für schwerkranke oder hochbetagte Menschen gedacht, für die eine Lebensverlängerung nicht mehr erträglich wäre.
Aber wer garantiert, dass nicht auch andere erkrankte Personen nach diesem Buch handeln? Personen nämlich, die an psychischen Störungen leiden, die mit erhöhtem Suizidrisiko einhergehen….Oder haben auch diese Menschen ein Recht auf eine Anleitung zum humanen Sterben?
Wer kann beurteilen, wann die Entscheidung einer Person für den Tod gerechtfertigt ist und wann nicht?
Eigentlich würde ich gerne diesem Buch einen Prolog aus Camus “Mythos von Sysiphos” voranstellen…
Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, heißt, auf die Grundfrage der Philosophie antworten. Alles andere − ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien hat − kommt später. Das sind Spielereien;erst muss man antworten.
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Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“